Die Landratspokalstory
Jürgen Kühle
Der Landratspokal ist gleichzeitig ein Abbild der Erfolgsstory des Schachclubs. So wie dieser mauserte er sich von einer clubinternen Veranstaltung für Eingeweihte in einen landkreisweiten Wettbewerb mit stetig zunehmender Beliebtheit. Die Geschichte dieses Pokals wollen wir heute einmal kurz aufrollen.
Im Winter 1986 war der Schachclub gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Bei
aller Begeisterung für das Schach ließ sich nicht übersehen,
daß wir an einem Tiefpunkt angekommen waren. Beide Mannschaften hatten
den etablierten Vereinen nichts entgegenzusetzen. Dazu kam die auch heute
noch bekannte Trainerschwäche. Ich als schachbegeisterter Clubgründer
trainierte die Kinder und Jugendlichen genauso wie heute. Als Spieler selbst
auch nicht gerade absolute Spitzenklasse, war ich daher als Lehrer eigentlich
eine Fehlbesetzung. Wie so eine Schachlehrstunde in der Regel aussieht,
wurde ja an anderer Stelle bereits beschrieben. Die mangelnde Schachklasse
tut aber meiner Beliebtheit bei den Kindern bis heute keinen Abbruch.
Beim Training für die Erwachsenen und Spieler sah es noch düsterer aus, es fand eigentlich gar nicht statt. Denn freitags traf man sich, ab Januar 1985 in der Mehrzweckhalle, und spielte einfach wild drauf los. Wie Zuhause auch. Unserer Spielstärke gemäß schafften wir seinerzeit gut 10 Partien in der Stunde. Sonntags bei den Wettkämpfen spielten wir schon etwas genauer, aber uns fehlte das richtige Training, so standen wir meist auf verlorenem Posten.
Das soll nur verdeutlichen, daß so, wie wir damals trainierten, nirgendwo auf Bezirks- oder Kreisebene ein Blumentopf zu gewinnen war. Nach einer erneuten Niederlagenserie beider Mannschaften in der Kreisklasse machte ich mir ein paar Gedanken. Geld hatten wir keines, also war an einen bezahlten Trainer überhaupt nicht zu denken. Also was tun? Wer hat schon immer die Patentrezepte überall rumzuliegen und braucht bloß die Schubladen aufzumachen?
Es kam die Zeit der Weihnachtsmärkte und Glühweinwochenenden. In Waldleiningen trafen wir dann die Ostermanns. Die Frauen sahen sich nach Staubfängern und Nischenkeramik um und wir saßen derweil bei einem gemütlichen Glühweinschoppen am Tisch. Urplötzlich kam mir eine Idee. Daß Werner Ostermann gute Kontakte zum Landrat hatte, wußte ich. Also fragte ich ihn, ob er es arrangieren könnte, den Landrat, damals noch Rudolf Tartter, dazu zu gewinnen, einen Pokal zu stiften, um den wir spielen könnten. Der Pokal soll der Wanderpokal des Landrates und des Clubs werden und jedes Jahr ausgespielt werden. Ein paar Wochen später gab mir Werner Grünes Licht: Der Landrat würde etwas dazugeben.
Der erste Gewinner des Landratspokals: Franz Braun
Außerdem, von links: Philipp Ruby, Jürgen Kühle, Manfred
Kraus und Klaus Lahmers
Ob man es glaubt oder nicht, ich hatte schon ziemlich genaue Vorstellungen, wie der Pokal aussehen sollte und wie er ausgespielt werden sollte. Die Schwierigkeit war nur, das meinen Clubfreunden beizubringen, denn die ganze Sache würde erstmal Geld kosten, Geld und nochmal Geld. Aber ich hatte kein schlechtes Gewissen, denn einen Teil des Geldes hatte ich ja durch die beiden Zeitungen, die bis dahin herausgegeben wurden, quasi vorfinanziert. Jetzt im Nachhinein, nach 12 Titelträgern, nach dem Riesenerfolg was die Besetzung und die Preisgeldregelung betrifft, nachdem auch der (nun nicht mehr ganz so) neue Landrat von der Idee begeistert war und schon einige Male sein Scherflein dazu beigetragen hat, ist es leicht zu sagen: Das war richtig so. Ich habe damals ganz schön schwitzen müssen und kam einige Male in Erklärungsnotstand bei hartnäckigem Nachfragen.
So weit ich mich erinnere, begannen wir im Mai 1987 mit 12 Startern, davon einem Clubfremden. Franz Braun aus Hochspeyer, jahrzehntelang im benachbarten Enkenbach das Spitzenbrett, hatte eigentlich aufgehört mit dem Schachspielen, aber er wollte sich mal ansehen, was wir da so machen, in dem kleinen Fischbach. Spielerische Probleme konnten wir ihm (noch) nicht bereiten, so war er nach 5 Wochen (= 5 Runden) der erste Gewinner des Pokals. Mit 100 Mark, von denen er einen Teil wieder für uns stiftete, war der Pokal für damalige Zeiten und Verhältnisse sehr gut dotiert. Der Zweite bekam noch 50 Mark und der Dritte 30 Mark.
Da wir nahezu Hundert Prozent der Teilnehmer stellten, war es kein Wunder, daß wir kaum Einnahmen aus Getränken und Verzehr hatten. Es waren schwere Zeiten für die Schachkasse. Damals fuhr ich dann noch mit der Vespa in der Gegend herum und »trieb« die Extra-Beiträge für den Schachclub ein. Jede Mark zählte. Ein Glück nur, daß meine Gefolgschaft fast vollkommen auf mich eingeschworen war, ein paar überkritische Geister hätten den Pokal sonst schnell zu Fall gebracht. Hauptargument fürs Geldausgeben war auch immer wieder die Einahme aus den Zeitungen.
Sieger im zweiten Jahr wurde unser Peter Schäfer
Daneben: Kein neuer AL, sondern der alte ohne Bart!
Nun ja, wir überstanden die ersten drei Jahre. Im zweiten Jahr machte Franz Braun auch wieder mit, aber er drehte wohl nicht ganz auf: Sieger wurde Peter Schäfer aus unserer Schachjugend. Im dritten Jahr machte Franz Braun zum letzten Mal mit und das war dann auch das Ende der Gründerzeit, denn schon wieder mußten wir uns Gedanken machen. So konnte es auch nicht weitergehen. Wir waren viel zu wenig Teilnehmer und auch erst recht zuwenig Auswärtige.
Also erweiterten wir den Einzugsbereich auf die Verbandsgemeinden Hochspeyer und Enkenbach. Wir zitterten regelrecht, ob wir uns damit nicht zuviel zugemutet hätten, denn es war doch zu erwarten, daß man uns die Tür einrennt, zumal wir zaghaft das Preisgeld angehoben hatten. Nichtsdestogleichen! Aber zum ersten Male kamen Enkenbacher und vor allem die Mehlinger, die Teilnehmerzahl schnellte auf über 15 hoch und es wurde Umsatz bei Essen und Getränken gemacht. Immerhin soviel, daß sich der Pokal fast alleine trug.
1989, eine denkwürdige Pokalverleihung. Franz Braun aus Hochspeyer wurde zum zweiten male Pokalsieger und Jürgen Kühle bekam den Wappenteller von Fischbach wegen seiner Verdienste um den Sportverein und den Ort und für die Jugendarbeit. Das war erfreulich aber kaum glaublich, denn vorher waren die Verhältnisse nicht so herzlich.
Dann, 1991, wechselten Regierung und Landrat und vorsichtig wurde angefragt, ob der neue Landrat daran interessiert sei, die Tradition des scheidenden fortzusetzen. Hocherfreut stieg Rolf Künne sofort ein und ist seitdem schon einige Male bei der Pokalverleihung dabeigewesen. Doch zuvor erlebten wir einen weiteren gesellschaftlichen Höhepunkt. Rudolf Tartter, der alte Landrat, wollte zum Ende seiner politischen Laufbahn wenigstens einmal den von ihm gestifteten Pokal in den Händen halten und lud den Sieger 1991, Wolfgang Ditscher und mich nach Elschbach ein. Dort fand die jährliche Ehrung der erfolgreichsten Sportler des Landkreises statt. Nachdem er Wolfgang Ditscher den Pokal dann auf der Bühne des Gemeindehauses überreichte, bat er dann noch um ein Statement zum Thema Schach, mit dem er mich doch tatsächlich fast in Verlegenheit brachte: Was sagt man vollkommen unvorbereitet vor mindestens 200 Personen?
Mit dem neuen Landrat kam dann auch eine Erweiterung des Geltungsbereiches. Natürlich war klar, daß wir mit der Ausdehnung auf Stadt und Landkreis Kaiserslautern auch das Preisgeld anheben mußten. In den folgenden Jahren erhöhte es sich bis auf 150 Mark für den 1. Preis und Abstufungen bis Platz 5. Hatte ich bis etwa 1992 die Kasse noch nebenbei mitverwaltet, was bei meiner Konzentrationsfähigkeit auf solche Kleinigkeiten derselben gar nicht gut bekam, übernahm Gerhard Erlbach dann die Kasse von mir. Das verschaffte mir neue Freiheiten, die ich 1997, zum 10jährigen Jubiläum des Pokals, zu einer erneuten Anhebung des Preisgeldes nutzte. Das Jubiläumsturnier sollte ein neuer sportlicher Höhepunkt werden. Nicht nur die Zahl der Teilnehmer hatte in den letzten jahren immer um die zwanzig gelegen, es kamen auch echte Spitzenspieler zu uns nach Fischbach. Neben dem doch recht ansehnlichen Siegespreis in Höhe von 200 Mark konten weitere 9 Spieler Geldpreise gewinnen, insgesamt schütteten wir über 600 Mark aus. Das war gewagt, denn die Resonanz war nicht sicher. Aber nun gingen wir die Sache, was Essen und Trinken betraf, etwas professioneller an. Am Ende kamen wir fast genau raus.

Auch diese beiden hatten den Landratspokal schon gewonnen: Wolfgang Würth (oben) und Wolfgang Ditscher. Beide »arbeiteten« bei uns auch schon erfolgreich als Schachlehrer.
Der Club wäre nicht der Club, wenn wir nicht ab und zu etwas tricksen würden. Der Landrat war beim Zehnjährigen persönlich da und auch im nächsten Jahr kam er wieder, denn es war das »echte« Zehnjährige. 1994 fiel der Pokal aus, es war zuviel für uns wegen der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Lösen von Schachproblemen. Da war organisatorisch einiges zu bewältigen und Dank eines hervorragenden Norbert Isigkeit, der die Meisterschaft akribisch und souverän über die Bühne brachte, war dies DER Höhepunkt unseres bisherigen Clublebens.
Doch zurück zum Pokal.
Die Steigerung der sportlichen Erfolge beim Landratspokal ging tatsächlich
einher mit der Steigerung unserer Spielstärke. 1989 war es dann soweit,
wir stiegen das erste Mal auf. Ein stolzer Erfolg, der leider nicht lange
anhielt. Wir waren zu respektvoll und sammelten einen einzigen Punkt zuwenig.
Doch postwendend waren spielten wir wieder ganz vorne mit. In einem denkwürdigen
Entscheidungsspiel gegen die Mehlinger riß Peter Schäfer beim
Stand von 3,5:3,5 eine bereits verlorene Partie noch aus dem Feuer. Das
war der erneute Aufstieg und die Bezirksklasse haben wir seitdem gehalten.
Nicht nur das, im Laufe der Jahre spielten wir uns immer weiter nach vorne
und wir hoffen, in dieser Saison vielleicht das erste Mal Meister zu werden.
Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Landrat Rolf Künne im Bürgerhaus. Er bewundert gerade die Urkunde, während Ortsbürgermeister Wolfgang Geigenberger unseren Stefan Uhrmacher für seinen sensationellen zweiten Platz auszeichnet. »Clocki« ist unser Eigengewächs. Zuschauer ist unser Freund Willi Vogel, der mit uns zwar manche Arbeit hat, aber trotzdem immer nett zu uns ist.
Bereits bis 1994 hatten wir immer wieder hochkarätige Spieler bei uns im Landratspokal. Jochen Brittner, Stefan Koch, Christoph Kennel, Wolfgang Ditscher, Christoph Metzger und andere, so um die 2000 Elopunkte starke Spieler machten mit. Selbstverständlich hatten wir keine Chance, uns gegen solche Spieler in fünf Runden durchzusetzen, aber ab und zu gab es mal eine Überraschung. Und was wichtig war: Für fünf Wochen waren wir Mittelpunkt des schachlichen Geschehens in der Westpfalz, waren bei uns starke Spieler versammelt, gegen die wir mit ein bißchen Losglück auch mal spielen konnten. Und zwar richtig, keine Nonsens-Partien wie sonst mehr oder weniger freitags. So etwas verbessert die Leistungen zwangsläufig, auch wenn man verliert. Nach 1994 verstärkte sich der Trend weiter. Der Kreis der Teilnehmer wurde nicht größer aber immer hochkarätiger. Daher befanden wir uns irgendwie in einer Zwickmühle. Wir konnten mit unserem Preisgeld unmöglich mehr auf das alte Niveau heruntersteigen. Wenn es auch nur ein paar Mark sind, im Vergleich zu den Gewinnmöglichkeiten woanders und in anderen Sportarten, müssen sie auch erstmal vorhanden sein. Glücklicherweise ist bei uns der innere Zusammenhalt in der Abteilung recht groß. So war es anfangs nicht schwer, in Gemeinschaftsarbeit den Pokal mitsamt Siegerehrung durchzuziehen. Jede(r) Abteilungsleiter(in) jeder Abteilung des Vereins weiß, wie nervend es sein kann, Jahr für Jahr wiederkehrende Sportfeste oder Turniere auszurichten, ich erzähle daher wohl nichts neues. Das ist auch bei uns nicht viel anders. Irgendwann ist das Jahr besonders schnell vorbei und dann geht es los: Schon wieder muß alles organisiert werden, die Rundschreiben und Vorbereitungen. Dann, wenn der Pokal im Gange ist, der Einkauf, das Richten, aufbauen, abbauen und so weiter. Doch mittendrin, wenn es gut läuft, dann kommt auch die Freude und man beschließt, es noch weiter zu machen. Schließlich ist es immer ein Erfolg der Abteilung und damit des Vereins. Darüber hinaus kann es nicht schlecht sein, wenn der Ortsname Fischbach immer wieder im Zusammenhang von erfreulichen sportlichen Ereignissen genannt wird.
1997 war dann der beste Landratspokal seit Bestehen. Die Teilnehmerzahl war mit 25 ungewöhnlich groß und auch die Spielstärke der Teilnehmer war überragend. Es waren Mehlinger da aus beiden Schachvereinen, Lauterer, Banner, Mainzer und sogar einer aus Pirmasens.
Ebenfalls interessant war der diesjährige Landratspokal. Nach fünf Runden war Thomas Dezember aus Pirmasens mit 4,5 Punkten alleiniger Erster. Es folgte Ralf Bingger von den Schachfreunden aus Mehlingen und dann kam schon unser Peter Schäfer! Beide hatten je 4 Punkte. Das war schon eine starke Leistung von Peter. Die Fischbacher waren so gut, wie nie zuvor, kann man sagen. Jonas Hoffmann, Alfred Walker und Jürgen Kühle waren auf Platz 9, 10 und 11 und auch Erlbach wurde nicht Letzter sondern konnte auf Rang 15 noch 4 weitere Spieler hinter sich lassen. Dazu gehörte auch German Koppenhöfer, der aber wenigstens noch Vorletzter wurde.