Aber die Organisatoren im Norbert Isigkeit und Jürgen Kühle mit ihren zahlreichen Helfern und Sponsoren schufen einen Veranstaltungsrahmen, der für künftige Turniere dieser Art neue Maßstäbe setzte. Ob es sich um die Turniersaalgestellung und -gestaltung, die Turnierabwicklung, die zahlreichen Serviceleistungen oder um die Eigendarstellung und Werbung für den Schachsport an sich mittels Plakaten, Plaketten, Festschrift, Mobilisierung von Politik und Presse etc. handelte, über jedes Detail konnten Turnierleiter Manfred Seidel (Moers) mit seinen Schiedsrichtern Hans Peter Reich (Neuss) und Rainer Staudte (Chemnitz) sowie jeder einzelne Teilnehmer und Besucher nur staunen und waren voll des Lobes. Leider trafen nur 5 von 10 gemeldeten ausländischen Teilnehmern neben 25 deutschen Lösern zum Turnier ein; diese aber dürften ihr Kommen nicht bereut haben, denn neben den idealen Turnierbedingungen in der Mehrzweckhalle Fischbach einschließlich kostenloser Beköstigung wurde ihnen ein Freizeitprogramm geboten, wie es interessanter und abwechslungsreicher - ähnlich wie in Furth im Wald vor Jahresfrist - nicht hätte sein können. So standen u.a. auf dem Programm eine Fahrt nach Kaiserslautern mit einem Empfang im Casimirsaal sowie der Besichtigung der unterirdischen Gewölbe der geschichtsträchtigen Barbarossaburg und des Zinkmuseums, ein Empfang im Bürgerhaus Fischbach durch Ortsbürgermeister Wolfgang Geigenberger im Beisein des gesamten(!) Gemeinderates und als besondere Attraktion eine abendliche Busfahrt an die pfälzische Weinstraße nach Maikammer zu einer zünftigen Weinprobe mit ebensolchem urpfälzischen Essen in einem herrlichen, 50 Gäste fassenden Gewölbekeller.
Doch nun endlich zum Geschehen auf den 64 Feldern, das auch dieses Mal und nicht nur wegen der Leistungserwartung von einigen fremden Lösern und Neulingen bei den Experten (u.a. waren Exturnierleiter Hermann Weißauer, Exschiedsrichter Nikolai Dimitrov, Bulgarien, und Exmannschaftsweltmeister Herbert Lang anwesend) und den zahlreichen übrigen Betrachtern als spannend und reich an Überraschungen empfunden wurden. Der gesamte Verlauf wurde geprägt von dem mit Höhen und Tiefen versehenen, aber letztlich doch souveränen Auftreten des Titelverteidigers Arno Zude und dem relativ schwachen Abschneiden des amtierenden Weltmeisters Michael Pfannkuche. Nachdem noch 16 Kandidaten die Startrunde (Zweizüger) und immerhin 6 auch die Dreizügerrunde schadlos überstanden hatten (hier ließ der Weltmeister bereits erheblich Federn!), blieb bei den Studien allein Großmeister Zude ungeschoren, überdies noch in einer frappierend kurzen Bedenkzeit. So ergab sich nach dem 1. Tag ein ziemlich unerwarteter Zwischenstand: unter den ersten Vier zwei Niederländer, die amtierenden Mannschaftsweltmeister Czeremin und Pfannkuche nur auf den Plätzen 7 und 8(!), stattdessen Jungtalent Tummes und zur Freude seiner Anhänger der renommierteste Problemkomponist unter den Teilnehmern, Altmeister Axt, auf den Rängen 3 und 5.
Zu Beginn des 2. Tages schienen sich die Verhältnisse zurecht zu rücken, denn Rundengewinner Pfannkuche arbeitete sich bei den mit einigen Finessen gespickten Hilfszügern von Platz 8 auf 6 und Exmannschaftsweltmeister Steinbrink von Rang 12 auf 8 vor, während von den Heuvel von 2 auf 5 und Czeremin von 7 auf 10 zurück fielen. In der schweren Mehrzügerrunde wurde es sogar noch spannender, als Zude einen Einbruch erlebte und die Jugend um Rundengewinner Neef mit Czeremin, Tummes und auch Pfannkuche den Aufstand probten. Zude führte nur noch mit 3 Punkten vor Tummes und Axt, der sich noch bei den Hilfsmatts saniert hatte. Doch wer noch einen Hauch einer hereinbrechenden Sensation witterte, mußte sich enttäuscht sehen, denn der Titelverteidiger demonstrierte wie so oft in den letzten Jahren seine absolute Überlegenheit bei den abschließenden Selbstzügern, löste wie schon am Ende des 1. Tages als einziger komplett und sicherte sich damit den verdienten Gesamtsieg. Mit großem Abstand folgte auf Platz 2 der bis auf die Mehrzügerrunde gleichmäßig gut lösenden holländische Vorkämpfer Dolf Wissmann, knapp vor dem Überraschungsdritten Hemmo Axt. Weltmeister Pfannkuche kam als Nummer 2 des 2. Tages immerhin noch auf dem versöhnlichen nationalen 4. Rang ein, der ihm Gelegenheit gibt, als Einzellöser bei den Weltmeisterschaften (vom 23. bis 30. Juli im französischen Belfort) seinen Titel zu verteidigen.
Die Mannschaftsfahne dürfen indessen zwei neue Gesichter unter den Teammitgliedern der letzten 6 Jahre tragen und hoffentlich hoch halten, denn auch sie haben den Welttitel zu verteidigen, was bei den speziellen Stärken von Hemmo Axt bei Hilfs- und Selbstmattaufgaben und Boris Tummes bei Studien und Mehrzügern neben Toplöser Arno Zude trotz des Ausfalls von Pfannkuche nicht ganz aussichtslos sein dürfte.
Das Abschneiden der übrigen Teilnehmer ist aus der nebenstehenden Tabelle ersichtlich, bei der noch hervorgehoben werden sollte, daß die junge Nationalmannschaft der Niederlande mit den Plätzen 2, 7 und 10 eine gute Show abgab und sicherlich eine angenehme Belebung der Meisterschaft darstellte. Dieser Trend möge sich bei den 19. Deutschen Meisterschaften, die vom 21. bis 23. April 1995 in Steinsfurt bei Sinsheim ausgetragen und wiederum international ausgeschrieben werden sollen, fortsetzen.
Die abschließende Siegerehrung in Fischbach geriet zu der wohl längsten in der Geschichte sämtlicher bisherigen Meisterschaften; fangen wir zu unterst an: Alle Teilnehmer erhielten neben der obligatorischen Begrüßungsmappe Urkunden mit ihrer jeweiligen Plazierung und als Erinnerung an die Weinregion des Pfälzer Waldes ein geschmücktes Korbgebinde mit hauptsächlich flüssigem Inhalt. Darüber hinaus durften sich die Plazierten der oberen Hälfte über mehr oder weniger wertvolle Sachgaben freuen. Bei den ersten Sechs der internationalen und nationalen Konkurrenz war auch körperliches Wohlbefinden besonders gefragt, denn sie mußten schwere Ehrenpokale, Zinnteller und Blumensträuße von dannen tragen.
Arno Zude als 1. Internationaler Deutscher Meister gewann auch noch eine liebevoll als Schachbrett nebst Figuren geformte Marzipantorte und last not least den Wanderpokal der "Schwalbe", den er nach abermals fünf Siegen zum 2. Mal in seinen endgültigen Besitz brachte. Jedenfalls war es eine illustre Schar von Preisstiftern, deren Namen und regionale Bedeutung hier zu nennen den doppelten Textumfang dieses Berichtes erfordert hätte.
Fazit: Es war eine der gelungensten Veranstaltungen, die der Berichterstatter jemals miterleben durfte.
| Teilnehmer | Wohnort | Punkte | Zeit | |
| 1. | Arno Zude | Weiterstadt | 80 | 276 |
| 2. | Dolf Wissmann | Leeuwarden (NL) | 71 | 344 |
| 3. | Dr. Hemmo Axt | Frasdorf | 70 | 352 |
| 4. | Boris Tummes | Moers | 69 | 345 |
| 5. | Dr. Michael Pfannkuche | Münster | 66 | 340 |
| 6. | Claus Czeremin | Hamburg | 62 | 359 |
| 7. | Dirk Borst | Utrecht (NL) | 59 | 359 |
| 8. | Axel Steinbrink | Düsseldorf | 58 | 357 |
| 9. | Wilfried Neef | Ulm | 57 | 359 |
| 10. | Peter van den Heuvel | Enschede (NL) | 54 | 337 |
| 11. | Gunter Jorden | Jena | 51 | 359 |
| 12. | Gerd Reichling | Bellheim | 50 | 358 |
| 13. | Frank Uhlig | Bissendorf | 47 | 360 |
| 14. | Michal Dragoun | Prag (CZ) | 45 | 359 |
| 15. | Ronald Schäfer | Stuttgart | 43 | 360 |
| 16. | Andreas Rein | Wiesloch | 42 | 359 |
| 17. | Helmut Zajic | Wien (A) | 40 | 355 |
| 18. | Manfred Zucker | Chemnitz | 36 | 359 |
| 19. | Thomas Walther | Gera | 33 | 357 |
| 20. | Frank Fiedler | Mügeln | 33 | 358 |
| 21. | Bernd Horstmann | Limburg | 31 | 359 |
| 22. | Walter Supp | Markgröningen | 30 | 355 |
| 23. | Dr. Pavel Kamenik | Prag (CZ) | 30 | 359 |
| 24. | Thomas Hansen | Kleinmünster | 27 | 345 |
| 25. | Dominik Speer | Münster | 26 | 359 |
| 26. | Dr. Ralf-Alexander Schön | Koblenz | 22 | 356 |
| 27. | Peter Schäfer | Fischbach | 20 | 346 |
| 28. | Rolf Sieberg | Wittenhofen | 20 | 360 |
| 29. | Dirk Augustin | Münster | 19 | 360 |
| 30. | Raul Jordan | Jena | 15 | 360 |
| 31. | Christof Metzger | Kaiserslautern | 9 | 338 |