Brett 1 führt gemeinhin bei uns der sagenhafte Bernd Müller. Früher hat er mal an Brett 5 gespielt. Da hat er oft verloren und das mit Weiß. Das dürfen alle, aber nicht Bernd! Da sagten sich die maßgebenden Leute, wenn er sowieso verliert, kann er auch an Brett 1 verlieren, da bindet er wenigstens einen starken Gegner. Und wie es so kommt, gewinnt er seitdem öfter am ersten Brett als damals am fünften. Bernd ist außerdem der Erfinder der Gerstenzündung. Wenn gar nichts klappt, macht er eine Gerstenkaltschale auf und dann geht es wieder.
An Brett 2 sitzt unser Abteilungsleiter und Schachtrainer der Jugend, Jürgen Kühle. Er und Bernd Müller haben den dankbaren Job, immer gegen die Besten des Feindes zu spielen. Normalerweise spielt der AL lieber Weiß. Aber Müller auch. So ist er umgestiegen und hat nun öfter Schwarz. Inzwischen ist aber Müller auch mit Schwarz gut, also einigt man sich erst kurz vor dem Spiel, wer welche Farbe spielt. Außer dem läuft in jeder Saison mindestens ein Privatwette zwischen den beiden, wer mehr Punkte holt. Auch da ist jeder Vorteil wichtig.
Brett 3 hat Peter Schäfer inne. Es ist nicht so seine Sache, lärmend auf sich aufmerksam zu machen. Auch würde niemand vermuten, daß er Stammgast in einem Solarium ist. Aber bei allem, was Schach angeht, ist Peter Spitze. Er knobelt sich Problemschachaufgaben aus und veröffentlicht sie in Schachzeitungen! Dafür hat er schon Preise bekommen. Er ist Spezialist in Märchenschach, ebenfalls eine Art des Problemschachs. Er holt (fast) immer die meisten Punkte. Bei soviel HAng zur Trockenheit, verwundert auch sein Humor nicht, ebenfalls staubtrocken. Und er liebt die Tagesschau. Deshalb ist er immer erst kurz nach viertel Neun im Training. Eines Tages, wenn er pünktlich kommt, wissen wir: Er hat jetzt Video und zeichnet auf!
Brett 4 spielt Alexander Helf. Er studiert Mathematik, das hilft uns ungeheuer, denn seine Gegner werden oftmals eiskalt ausgerechnet. Er war schon zweimal Clubmeister und hat damit mit Dennis Whitcomb gleichgezogen. Wenn der AL mal einen Computerspezialisten sucht, also dauernd, wendet er sich an Alex. Als Ausgleichssport bevorzugt er den Fußball. Das kam uns bei Kampf der Giganten zustatten, an Alex kam keiner vorbei. In dieser Saison holte er nach Peter Schäfer die meisten Punkte - nun ja, von einem Clubmeister kann man schon was verlangen.
Brett 5, weit unter eigentlichem Wert, spielt Norbert Isigkeit, unser Königsgambitspezialist. Er wurde in den letzten Jahren einer unserer besten, die vorige Clubmeisterschaft, von ihm errungen, ist der Beweis. Er ist kein bißchen abergläubisch, wenn er auch vor Jahren immer mit demselben Trainingsanzug angetreten ist, in dem er seine Siegesserie begann. In jenem Jahr wurden wir auch prompt Meister. Vor dem letzten Spiel in Mehlingen war er felsenfest überzeugt, daß wir es schaffen. Wenn er in einem solchen Fall recht hat, nimmt ihm das kein Mensch übel.
Brett 6 hat Gerhard Erlbach inne. Wenn Gerhard sonntags nach 15 Minuten Spieldauer dasitzt und den Kopf schüttelt, hat er dem Gegner meistens die Partie geschenkt. Übersteht er aber die erste Viertelstunde, gewinnt er meistens. In der Clubmeisterschaft verlor er gegen alle, stoppte aber den AL auf den Weg zum Titel. Für solche Überraschungen, mal positiv, mal negativ, ist Gerhard immer gut. In der Rückrunde dieser Saison hat Gerhard nicht einen einzigen Punkt abgegeben.
Brett 7, und damit einen Stammplatz, hat Stefan Uhrmacher. Er entwickelte sich von einem stark hektischen Kind zu einem etwas hektischen Jugendlichen. Aber wenn er spielt, dann ist er super. Seine Gegner haben wenig zu lachen. Als Schwarz-Spezialist mit "englischem" Hang, erwürgt er sie oft heimtückisch, weil unvermutet. In Bedrängnis spielt er äußerst erfindungsreich. Alles in allem: Hätte er einen vernünftigen Schachlehrer gehabt, wäre er bestimmt schon viel weiter.
Brett 8 ist Dietmar Zingler. Einst war er unser Problemkind, weil selten zum Spielen zu ergreifen. Dabei ist er doch so stark! Nun aber hat er uns in dieser Saison noch nicht einmal allein gelassen. Jedesmal, wenn wir ihn brauchten, war er da. Und alle seine vier Spiele gewann er, das ist enorm. Als Mann der vielen Interessen und der vielen Sportarten hat er auch beim Fußball überzeugt. Dietmar war der Turm in der Schlacht, der die Abwehr zusammenhielt, als das Ende nahe schien.
Ebenfalls Brett 8 ist Uwe Goetzke. Auch er hat viele Termine und kann nicht immer. Aber er kam zu uns, spielte, verlor, grübelte, spielte, verlor; kam wieder, grübelte, spielte und gewann. Er wurde immer stärker und stärker, so daß der AL schon befürchtete, er könne ihm einen Strich durch die Meisterschaftsrechnung machen. Den machte dann ein anderer. In der Mannschaft machte er bei 5 Einsätzen 4 Punkte. Nun müssen wir ihn nur noch beim Feiern testen.
Reserve war Thomas Brandenburger. Kein Mensch konnte, ahnen, daß er so ehrgeizig ist und solche Fortschritte macht. Deshalb kam er erstmal in die Zwei Mannschaft, der er in Bann einen wichtigen Sieg erkämpfte. Dort hat er einen Score von 1:3, in der ersten Mannschaft allerdings von 3:0! In der nächsten Saison sollte er in der ersten Mannschaft spielen. Leider aber hat er sich, der eben noch so engagiert erschien, von Knall auf Fall verabschiedet.
Reserve ist auch, man höre und staune, Julian Müller. Einmal, als zwei Stammspieler fehlten und Brandy nicht mehr spielen durfte, sprang er, als einer der guten Nachwuchsspieler, ein. Fast hätte er zum Remis gereicht, was natürlich sensationell gewesen wäre. Ansonsten ist Julian ein unglaublicher Zappelphilipp, der, einmal aufgedreht, kaum noch zu bremsen ist. Schach soll ihn angeblich ruhiger gemacht haben. Seine anderen Lehrer werden es wohl nicht glauben.
Nun kommen wir zur zweiten Mannschaft. Diese besteht fast nur aus Kindern aus dem eigene Nachwuchs. Der Schachlehrer kann zwar wenig und wird auch nie richtig spielen lernen, aber die Kinder sind eben gerne bei ihm. Deshalb spielt auch Christoph Bauer, der Newcomer unter den Guten. Jahrelang wollte er nichts vom Schach wissen. Erst, als sein kleinerer Bruder stärker wurde als er, machte er auch mit. Innerhalb nur eines Jahres wurde er einer der besten und wurde auch zum Mannschaftskapitän gewählt. In dieser Funktion stellt er mit dem AL die Mannschaft auf. Manchmal muß man ja doch schon staunen.
Georg Bauer ist seit Jahren im Schachclub. Der gramgebeugte Schachlehrer konnte sich an ihm immer wieder aufrichten, wenn die anderen machten, was sie wollten. Georg war immer der Bravste. Er war auch immer einer der besten. Am liebsten spielt Georg mit Schwarz, wo ihn Freund und Feind fürchten. Georg war im vorigen Jahr Bambinomeister trotzdem er die Hälfte der Partien mit Weiß spielen mußte.
Judith Richter ist auch eine der treuesten Spielerinnen. Was hatten wir Mädchen im Schachclub! Wenn die alle dageblieben wären, könnte man zwei Damenmannschaften aufmachen - wenigstens in 5 bis 7 Jahren. Judith ist geblieben und sie ist sehr gut. Wie überhaupt die Leistungsdichte bei den Kindern, die im Moment das sind, sehr dicht beisammenliegt. Judith hat immer Angst vor körperlich großen Gegnern. Das hat sich nur ein bißchen gelegt, als sie mal in Mehlingen einen Großen ganz einfach abzog. Da hat sie fast den ganzen Tag vor sich hin gekichert.
Sascha Keller, einst gefürchtet, ist auch schon sehr lange bei uns. Im Moment hat er den Anschluß ein klein wenig verloren. Seine Spezialität, die bei uns zwar wohlbekannt ist, wurde schon vielen Gegnern zum Verhängnis. Zweimal bereits holte ihn der AL Sonntags aus dem Bett und schleppte ihn zum Spiel mit dem Brötchen in der Hand. Und beide Male hat Sascha gewonnen, bevor er aufgegessen hatte. Er ist schon sagenhaft. Wenn der so weitermacht, wird er unser zweiter Bernd Müller. Nur das trockene Brötchen muß er noch gegen zwei flüssig umtauschen.
Simon Engel (8) ist der drittkleinste Spieler im Club. Winziger sind nur noch Björn Wagner (7) und Ruth Teubner (6). Ruth kommt aber nur, um Faschingsschach zu spielen, um zu malen und um zu verhindern, daß der AL Bier trinkt. Björn hat Ehrgeiz und will einmal Mannschaftsspieler werden. Die Chancen sind gut. Bei den Bambinos ist er ganz knapp am Titel vorbeigeschrammt. Sein Freund Simon hat ihm de Titel weggeschnappt. Simon ist unser jüngster Mannschaftsspieler. Er kämpft im wahren Sinne des Wortes und er kann am saubersten mitschreiben von allen Kindern. Er wird einmal eine Stütze des Schachclubs, ganz sicher.
Matthias Kühle war schon mit zweieinhalb Jahren Mitglied im Schachclub. Wie die Figuren ziehen, wußte er schon mit Fünf. Mit 6 Jahren konnte er schon gut spielen, aber er hatte keine Lust. Erst als sein Freund Simon plötzlich in der Mannschaft war, wollte er auch und machte mit. Er denkt originell und ist schlau, leider macht er aber auch den meisten Blödsinn. In der Mannschaft aber ist er sehr wertvoll. Mit seinem vierten Einsatz konnte er seine erste Partie gewinnen. Die Ernsthaftigkeit, mit der er spielt, genau wie Simon und Sascha, gefällt. Das zeichnet übrigens alle Kinder aus, keiner geht leichtfertig mit seiner Bedenkzeit um.
Nicole Dietrich hat leider in diesem Jahr noch kein einziges Spiel gemacht. Sie muß sich erst wieder in die Mannschaft spielen und das wird nicht ganz einfach werden. Trotzdem kommt sie gerne und ist beim Tandemschach eine gesuchte Partnerin.
Genauso geht es Nadine Molzberger, die bei der "Tandemschaft" mit Annika Kühle Erste wurde. Nadine ist oft da, spielt gerne, aber nicht so richtig scharf. Annika kommt nur, wenn sie Unterricht geben kann und/oder auf jemanden aufpassen.
Das war eine kurze Beschreibung unserer Mannschaften, so, wie sie im Moment aussehen. Einiges ist nicht ganz ernst gemeint, das hat man wohl gemerkt. Schön wäre es, wenn jemand der Leser meint: In so eine Mannschaft müßte ich doch auch passen!, und dann einfach einmal bei uns vorbeikommt.
Wie spielen zwar ambitioniert Schach, aber ohne Leistungsdruck. Wobei die Betonung - bis auf eine Ausnahme - auf Druck liegt.