aus der Festschrift des SV Mehlingen 37

Die Mausefalle

ein ewig-junges Problemschachthema

von Dr. Hermann Weißauer

Der Zweibrücker Rechtsanwalt P.A. Orlimont - mit bürgerlichem Namen Dr. Ernst Krieger - veröffentlichte 1907 im Deutschen Wochenschach einen Dreizüger (I), der bald für großes Aufsehen sorgte und heute zu den weltweit am häufigsten nachgedruckten Schachaufgaben zählt.

In I wird das später so benannte "Mausefallen-Thema" dargestellt: Mit 1.Df5! verläßt die weiße Dame das kritische Feld c5 (Klappe auf) und öffnet unter Zugzwang dem weißen Turm (Maus) den Weg 1...T*c6. Nun kehrt die weiße Dame zurück 2.Dc5 (Klappe zu), der Turm sitzt in der Falle. Die schwarzen Züge 2...T*c5/T~/L~ werden mit 3.S*c5/Dc2/Da5 matt beantwortet.

Es existieren auch vier- bis fünfzügige Doppelsetzungen des Themas, darunter eine von Orlimont und einige wenige von anderen Autoren. Die wohl einzige dreizügige Doppelsetzung gelang dem Mathematikprofessor Helmut Rössler aus Speyer (II): hier gibt es zwei "Mäuse", nämlich den schwarzen Läufer und den schwarzen Turm!

Verwendet man von der Thematik der (I) nur den Klappe auf/Klappe zu-Mechanismus, gelangt man in den Zweizügerbereich - man kann dann nur von einem Mausefallen-Effekt sprechen. Ein modernes Beispiel ist die Ludwigshafener Coproduktion (III): als "Maus" fungiert die schwarze Dame, neben der Mausefalle in der Lösung gibt es zwei weitere in der Verführung, also eine Dreifachsetzung.

Nun, liebe Leser, versuchen Sie doch mal anhand der Erläuterungen die Aufgaben II und III selbst zu lösen.